Leisten viel und kosten wenig

Oft hilft es nichts, und man muss für besondere Bildergebnisse auch besonders tief in die Tasche greifen. Oft muss man das allerdings auch nicht, und die Genugtuung des Schnäppchenjägers gehört auch für viele von uns Fotografen zu den schönsten. Großen Gewinn kann der Fotograf aus all den Dingen ziehen, die im Folgenden besprochen werden. Ihr Nutzen ist aber noch keineswegs bis zu allen durchgedrungen. Dabei sind sie für wenig Geld zu haben.

Sonnenblende

Hand aufs Herz: Ist sie immer dabei?

Hand aufs Herz: Ist sie immer dabei?

Die Sonnenblende ist fotografische Kinderstube. In 99 von hundert Fällen gehört sie aufs Objektiv, doch in diesem Verhältnis ist sie auf der Straße nicht anzutreffen. Unbeliebt macht sie sich, weil sie so aufträgt, besonders bei Teleobjektiven. Die Kamera passt nicht mehr in die Bereitschaftstasche. Will man Filter verwenden, muss man sie oft abschrauben. Dann fällt sie herunter und rollt unter ein Auto.

Eckige oder tulpenförmige Modelle wollen peinlich genau angesetzt werden, sonst rächen sie sich mit ungewollten Vignetten. Polfilter lassen sich mit Blende schlecht bis nicht drehen. Trotzdem: Blende muss sein. Anständige Hersteller legen ihren Objektiven eine „Gegenlichtblende“ – wie sie amtsdeutsch heißt – bei, und zwar keine Universalblende, womöglich aus Gummi zum Einklappen, sondern eine maßgeschneiderte aus Metall. Dass Streulicht, ins optische Glas gelangt, das Bild nicht verbessert, ahnen die meisten. Dieses Licht auszublenden gehört zu den wirksamsten und doch billigsten Mitteln der Bildverbesserung, auch bei Gläsern mit moderner Vergütung.

Jetzt verrate ich Ihnen ein kleines Geheimnis: Der Lichtschutz ist dennoch gar nicht die wichtigste Aufgabe der Sonnenblende. Sondern der Objektivschutz. Wenn Sie irgendwann aufhören, den Objektivdeckel ab- und wieder aufzusetzen (und wenn Sie viel fotografieren, werden Sie damit aufhören), wird die Sonnenblende zum Leibwächter. Mit ihr können Sie die Kamera getrost ohne Objektivdeckel in die Fototasche legen. Ohne sie würde ich das auch bei einer noch so sauberen Fototasche nicht wagen. Sie können die Kamera auch getrost am Riemen über der Schulter tragen. Was der Objektivdeckel dabei an Türrahmen und sonstigen Kanten abwehrt, schafft die Sonnenblende allemal. Außerdem versperrt sie Regentropfen den Weg auf die Frontlinse. Besonders wichtig ist sie für starke Weitwinkel, obwohl sie hier so offen sein muss, dass sie ihre offizielle Funktion so gut wie nicht ausüben kann. Dafür die Schutzfunktion umso besser, denn die Frontlinse wölbt sich bei diesen Objektiven so weit vor, dass sie ohne Sonnenblende nicht lange unversehrt bliebe.

Gaffa-Tape

Der Allesretter: Gaffa-Tape

Der Allesretter: Gaffa-Tape

Hatten Sie mit braunem Paketklebeband auch schon Wutausbrüche? Dann werden Sie das Gaffer- oder Gaffa-Klebeband lieben. Es klebt gut, lässt sich aber noch besser ablösen und neu positionieren. Damit ist es für unzählige Dinge praktisch. Bühnenmenschen verwenden es von Bodenmarkierungen über das Bündeln von Kabeln bis zu improvisierter Garderobenreparatur. Fotografen nutzen es zur Befestigung von Accessoires, Farbfiltern, Hintergründen und vielem mehr. Ich setze es meist als Streulichtblende für Blitzgeräte und Lampen ein.

Manfrotto Superclamp

Verbeißt sich zuverlässig: die Superclamp

Verbeißt sich zuverlässig: die Superclamp

Die Superklemme ist wirklich super. Es gibt ähnliche auch von anderen Herstellern. Zusammen mit dem Bolzen mit 3/8“- und 1/4″-Gewinde kann man sie (neu) für unter 30 Euro bekommen. Sie lässt sich an Rohren bis 50 mm Durchmesser befestigen oder, wenn man eine ihrer Backen mit einem Einlegeteil begradigt, an Tischkanten oder flachen Brückengeländern. Mit der Klemme am Oberrohr diente mein Fahrrad schon des Öfteren als Behelfsstativ. Manfrotto gibt die Tragkraft mit 15 kg an. Wer das Ding in der Hand hatte, verspürt keine Bedenken, ihr eine große Kamera mit großem Objektiv auf großem Kugelkopf anzuvertrauen. Genauso gut trägt sie Blitze, Kartons oder was sonst man gehalten wünscht. Ich bin von der Klemme so angetan, dass ich inzwischen drei davon besitze.

Ikea-Lampe

Schönes weiches Licht vom schwedischen Möbelhaus

Schönes weiches Licht vom schwedischen Möbelhaus

Auf die Ikea-Stehlampe „Rutbo“ ist natürlich meine Frau gekommen. Und natürlich nicht fürs Fotografieren, sondern fürs Wohnzimmer. Das Licht dieser Papierlampe (es gibt sie 1,60 und 1,14 m hoch) hat mich gleich fasziniert. Mit 50 Euro für die höhere Version ist sie zwar nicht ganz billig, im Vergleich zu Softboxen ähnlicher Größe aber ein Schnäppchen. Ich habe sie mit vier Tageslichtbirnen bestückt und mir dunkle Stoffbahnen zuschneiden lassen, mit denen ich die Seiten abschirmen und zuweilen auch die Lampenfront zu einem Schlitz verengen kann – ein improvisiertes Striplight. Sind die Lampen zu schwach, kann man auch ein paar Blitze durch die Lampe schießen. Nur so beweglich wie eine Softbox ist sie leider nicht.

Einbeinstativ

Aus Einbein mach' Galgen

Aus Einbein mach‘ Galgen

Einbeinstative scheinen mir eher originell als nützlich. Sportfotografen mit dicken Tüten am Spielfeldrand wissen Sie zu schätzen, aber für meinen Bedarf vereinen sie statt der Vorteile von Freihandfotografie und Stativ eher deren Nachteile. Man weiß nie, ob man die Bildstabilisierung des Objektivs auf dem Einbein besser ausschaltet oder nicht. Und wenn man’s tut, weiß man nie, ob es ohne Einbein, aber mit Stabilisierung nicht doch besser gegangen wäre. Weil es aber auch billige Einbeine gibt, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen. Und sie können tatsächlich nützlich sein – als Behelfsgalgen. Zusammen mit zwei Superklemmen und einem (Lampen-)Stativ lässt sich manche Beleuchtung damit so platzieren, wie es eben nur mit Galgen möglich ist. Mein billiges Einbein biegt sich dabei ganz schön durch, hält aber trotzdem, am besten mit einem Rucksack als Gegengewicht (s. Bild).

Notenständer

Talentiertes Hilfsstativ: der Notenständer

Talentiertes Hilfsstativ: der Notenständer

Zugegeben: Ein solcher Notenständer ist nicht billig, dafür steht er in vielen Haushalten schon rum, zumindest die preiswertere, durchgehend metallene Variante, und die funktioniert kaum schlechter. Eine große Styroporplatte (zum Aufhellen oder als Streulichtblende) würde von der Superklemme auf einem Lampenstativ natürlich auch gehalten, doch erstens drückt die gern Krater in die Platte, zweitens bräuchte man zur genauen Ausrichtung noch einen Stativkopf, drittens ist es bei teilweiser Abdeckung und/oder Beklebung der Platte von Vorteil, wenn sie von hinten gestützt wird, und viertens muss ein Amateurfotograf mit Haltemöglichkeiten sparsam umgehen. Ihre Kinder werden es Ihnen danken, wenn man sie vom Flöte-Üben entbindet. Ihre Nachbarn auch.

Fahrradkorb

Uncool und praktisch: der Fahrradkorb

Uncool und praktisch: der Fahrradkorb

Ein Fahrradkorb, noch dazu ein extrabreiter, ist nicht jedermanns Sache. Das Rad sieht dann nicht mehr cool aus. Es gibt aber nichts Praktischeres. Den Korb habe ich mit Kabelbindern auf dem Gepäckträger befestigt. In dieses Modell passen meine große Fototasche und mein Fotorucksack jeweils haargenau hinein; eine besondere Sicherung mit Spannriemen ist nicht nötig. Bloß der Trageriemen wird als Fangleine um die Sattelstütze geschlungen, und ab geht’s auf Fototour. So wird nicht nur der Transport der Ausrüstung bequem, sondern auch die Zugriffshöhe vor Ort (was nicht mehr ganz junge Fotografen zu schätzen wissen). Ich bevorzuge das Modell mit feinen Drahtmaschen; bei gröberen wird stets irgendein Schnappverschluss von Tasche oder Rucksack zum Widerhaken. Regelmäßige Kontrolle der Kabelbinderfixierung empfiehlt sich, weil die Metallkanten den Kabelbindern nach und nach zusetzen. Auch die feinen Metallmaschen brechen mit der Zeit gern durch. Längs zu montierende Körbe sind vielleicht etwas schnittiger, der quer montierte eignet sich besser als Unterlage, wenn das Stativ noch mit soll.

LED-Schwanenhalslampe

Schwachbrüstig, aber klein, billig und wendig

Schwachbrüstig, aber klein, billig und wendig: die LED mit Schwanenhals

Ihr Licht ist nicht arg hell und kein Tageslicht, dafür hat die Lampe auch nur 5 Euro gekostet. Das Stromkabel ist von großzügiger Länge, und damit (und mit ihrem Schwanenhals) ist die Lampe recht flexibel. Besonders bei Tisch- und Makroaufnahmen lässt sich so Licht auch an kaum zugängliche Stellen bringen. Kommen außerdem Blitze zum Einsatz, sorgen ihre Kunstlichtfilter für verträgliche Lichtfarbe.

Zuweilen billiger als 100 Euro: ältere Objektive

Zuweilen billiger als 100 Euro: ältere Objektive

Alte 35-mm-Objektive

… aus der Filmära sind besonders für Nikon-Kameras interessant, deren Bajonett über Jahrzehnte (fast) ganz das alte geblieben ist. Andere Marken müssen hier nach Adapterlösungen Ausschau halten. Wer eines der modernen Pixelmonster besitzt, wird mit älteren Objektiven vermutlich nicht restlos glücklich (obwohl sie den Kameras ohne AA-Filter wie der Nikon D810 eigentlich wieder etwas entgegenkommen müssten, da sie für einen Strahlengang ohne Glas vorm Film berechnet wurden). Tatsächlich habe ich schon von D800-Besitzern gelesen, die von alten Filmobjektiven schwärmten.

Auch ein Spitzentempo beim Autofokus kann man nicht erwarten (wenn sie ihn überhaupt bieten), gelegentlich aber durchaus antreffen. Dafür lässt sich manches Schätzchen für unter hundert Euro erwerben. Wer beim Umstieg auf das Vollformat nicht den kompletten Objektivpark auf einen Schlag ersetzen kann (und wer kann das schon?), dem können solche Schnäppchen übergangsweise gute Dienste leisten. Manche verdienen sich mit der Zeit sogar eine Festanstellung.

Yongnuo-Funkauslöser

Das ferne Auslösen löst sogar Begeisterung aus

Das ferne Auslösen löst sogar Begeisterung aus

Für rund 30 Euro eine Kamera, einen Blitz oder beides auch auf große Entfernungen und ohne Sichtverbindung zuverlässig auslösen, das geht mit diesen Dingern. Infrarotauslöser, manchmal den Kameras beigelegt, können hier nicht mithalten. Auch unter zehn Metern will die Kamera sie meist sehen, und manche Kameras haben hinten keine „Augen“.

Ein Funkauslöser allein und das mitgelieferte Kabel ergeben schon mal einen Kabelauslöser (trotzdem habe ich immer noch einen klassischen in Reserve, der ohne Batterie auskommt). Die Geräte (in der neueren Version) sind Sender und Empfänger in einem und lassen sich einzeln nachkaufen, wenn die Ansprüche an fernausgelöste Ausrüstung steigen.

Fernauslösung ist nicht nur interessant für Fotografen auf der Lauer, sondern auch für solche, die sich keinen Assistenten leisten können, der im Motivraum Veränderungen vornimmt (etwa Lichtmalerei mit Taschenlampen) oder Haltearbeiten verrichtet. Auch bei Gruppenaufnahmen verspricht das gefunkte Auslösen Erfolg: Will der Fotograf mit aufs Bild, kann er den Auslöser dezent hinterm Rücken halten und ist bei Zeitpunkt und Häufigkeit nicht dem Selbstauslöser ausgeliefert. Aber auch wenn er die Gruppe nur dirigiert, verhält sich diese viel entspannter, sobald sich der Fotograf etwas von der Kamera entfernt (und damit scheinbar auch vom Auslöser). Ist ein Kind dabei, drücken Sie ihm den Auslöser in die Hand. Es wird nicht mehr zappeln oder Grimassen schneiden und der Kamera sein seligstes Lächeln schenken.

AF-On-Knopf

Braucht etwas Training: fotografieren mit AF-On-Knopf

Braucht etwas Training: fotografieren mit AF-On-Knopf

Der kostet gar nichts, denn er befindet sich schon an der Kamera. Wo nicht, können viele Kameras einem ihrer Knöpfe diese Aufgabe übertragen. Fotografie mit Fokusknopf braucht Übung; von heute auf morgen macht sie noch keine Freude. Nach der Eingewöhnung hat sie allerdings Vorteile. So geht’s: Die Scharfstellung wird per Kameramenü dem Auslöser entzogen und allein dem AF-On-Kopf zugeteilt. Außerdem wird der AF auf Nachführung (continuous) gestellt. Damit stehen alle drei Fokusmethoden ganz einfach zur Verfügung: ein kurzer Knopfdruck = Einzelautofokus; langer Knopfdruck = Schärfenachführung; kein Knopfdruck = manueller Fokus.

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